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Bericht im Altmühlboten vom 06.11.2009
An die Vertriebenen erinnern
| Stadtrat stimmt für Projekt der Landsmannschaft WOLFRAMS-ECHENBACH (msr) – Die „Vereinigte Landsmannschaft Wolframs-Eschenbach“ hat beantragt, im Bereich der Altstadt eine Gedenktafel anzubringen. Der Vorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft Wolframs-Eschenbach, Willi Ludwig, war in der jüngsten Sitzung des Stadtrats zu Gast, um das Anliegen zu erläutern. Am Ende stimmte der Stadtrat dem Projekt mehrheitlich zu. Eine Gedenktafel, die helfen soll, das Schicksal der aus der Heimat vertriebenen Sudetendeutschen, Schlesier, Oberschlesier und Ostpreußen vor dem Vergessen zu bewahren, aber auch, die Aufnahme- und Hilfsbereitschaft der Wolframs-Eschenbacher Bevölkerung zu würdigen, das stellt sich der Vorstand der Sudetendeutschen Landsmannschaft vor. 1,50 Meter auf 1,75 Meter groß und aus Stein sollte sie sein und eventuell am Rathaus angebracht werden. Zu den geschätzten Kosten von rund 10000 Euro wünscht sich der Verein auch einen Zuschuss der Stadt in Höhe von 500 Euro. Im Gremium stieß der Antrag auf geteilte Meinung. Ein solches Epitaph mit den genannten Maßen empfanden etliche Mitglieder des Stadtrats als zu wuchtig und dominant. In eine andere Richtung gingen Stadtrat Helmut Arndts Bedenken. „Ihr hättet mehr davon und das Geld besser eingesetzt, wenn ihr etwas zu Papier bringen würdet“, so seine Einschätzung, da eine Steintafel eine geschichtliche Aufarbeitung, um die es wohl auch gehe, kaum leisten könne. In ein Buch hingegen könnten die Beschreibungen von Einzelschicksalen oder Interviews mit Betroffenen mit einfließen, wurde weiter angeregt. Ludwig berichtete, Heimatpfleger Oskar Geidner habe bereits entsprechende Informationen gesammelt, doch von der Buch-Idee zeigte er sich trotzdem nicht sonderlich begeistert. Bücher verstaubten in den Regalen, während eine öffentlich angebrachte Tafel präsenter sei und öfter das Bewusstsein der Vorbeigehenden erreiche. Überdies sei für ein Buch umfangreiche Arbeit nötig, die derzeit vom Verein nicht geleistet werden könne. „Wenn wir die Tafel nicht machen, schläft die Sache ein“, ist der 74-Jährige überzeugt. „Ein Buch hätten wir vielleicht vor zehn Jahren schon machen sollen, jetzt ist es fast schon zu spät“, befürchtet er. Bürgermeister Michael Dörr bezeichnete die Aufnahme von 793 Personen in Stadt und Stadtteilen in den Nachkriegsjahren als „eines der wesentlichsten Ereignisse der Stadtgeschichte“. Das verdiene Würdigung, insbesondere auch im Hinblick auf die Tatkraft und den Aufbauwillen, den die Vertriebenen in ihre neue Heimat investiert hätten. Allerdings plädierte auch er dafür, die benannte Größe noch einmal zu überdenken. Der Stadtrat fasste dennoch den Grundsatzbeschluss, eine solche Gedenktafel an öffentlicher Stelle anzubringen, drei Räte legten ihr Veto ein. Als Standort kommt eventuell die der Hofseite gegenüberliegende Seite des Rathauses in Frage. Details sollen nun im Bauausschuss weiter beraten werden. Die Tafel soll flexibel angebracht werden, das heißt abnehmbar sein, damit sie später gegebenenfalls auch den Standort wechseln kann. Die Idee, eine solche Tafel anzufertigen und öffentlich anzubringen, hatte Altbürgermeister Anton Seitz in der Generalversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft im März ins Gespräch gebracht. |





