| Interessante Relikte im Erdboden Heimatverein Wolframs-Eschenbach erforscht die Vergangenheit der Stadt WOLFRAMS-ESCHENBACH(msr) – Vorsitzender Oskar Geidner berichtete in der diesjährigen Hauptversammlung des Wolframs-Eschenbacher Heimatvereins von archäologischen Grabungen und Funden im zu Ende gehenden Jahr. Ein Ausblick auf die Vereinsarbeit im kommenden Jahr machte deutlich, was es alles zu tun gibt und wie viel man sich vorgenommen hat. Die Aktivitäten der „Stadtpfeyferey“ hingegen sind 2009 vollends zum Erliegen gekommen. Angefangen von archäologischen Grabungen und Dendrochronologie-Untersuchungen alter Dachstühle gibt es eine Menge zu berichten über die Aktivitäten des Wolframs-Eschenbacher Heimatvereins im zu Ende gehenden Jahr. Das setzt sich fort über zahlreiche Veranstaltungen bis hin zu archivalischen Tätigkeiten und der Arbeit an einem wissenschaftlichen Buch. Gegraben wurde heuer auf dem Anwesen Deutschordensstraße 6. Dort bewege man sich, so Geidner, im Augenblick auf einer Tiefe im Bereich zwischen 2,40 und 2,80 Metern und dringe nun langsam in den „historischen Humus“ vor. Inzwischen seien hier mehrere hundert Arbeitsstunden von Vereinsmitgliedern erbracht worden. Diese Grabung soll 2010 noch weitergehen. Die bisherigen Funde seien kürzlich bei einem gemeinsamen Scherbenwaschen gesichtet worden. Erdbauarbeiten an einer ganz anderen Stelle in der Stadt brachten ebenfalls archäologisch sehr interessante Funde an die Oberfläche und bescherten dem rührigen Verein zusätzliche archäologische Arbeit: Im Bachbett des Eschenbachs zwischen Kindergarten und Schießweiher, wo derzeit ein Ritterspielplatz angelegt wird, legte der Bagger Holz frei, das etwa auf das Jahr 1280 datiert werden konnte. Daneben kamen das Fundament eines Gebäudes und etliche Mühlsteine zum Vorschein; Geidner zeigte Fotos dieser Relikte. Seiner Einschätzung nach handelt es sich hierbei um Überreste der sogenannten Mittelmühle – die dritte, bislang fehlende Mühle zwischen Stollmühle und Froschmühle, die dort bis Anfang des 14. Jahrhunderts bestanden habe. „Aber in die Zeit der Stadtgründung kommen wir leider auch mit diesen Funden nicht hinein“, bedauerte er. Geidner berichtete, aus den über 20 archäologischen Grabungen der letzten Jahre seien über 400 Scherben gezeichnet worden. Die Auswertungsarbeiten laufen schon lange; für 2010 ist nun eine wissenschaftliche Publikation vorgesehen. Ein weiteres wichtiges Projekt sind verschiedene Dendrochronologie-Bohrungen, um Informationen für ein „Dächerprogramm“ zu gewinnen: Viele alte Dachstühle in der Altstadt hätten gelitten, zum Beispiel durch Feuchtigkeit, und seien restaurierungsbedürftig. Die Stadt möchte eventuell Fördergelder für Ausbesserungen beantragen und benötigt dazu Fakten, die mit Hilfe der Dendrochronologie gewonnen werden können. Dabei handelt es sich um eine wissenschaftliche Datierungsmethode für Holz. Auch diese Arbeiten werden 2010 weitergehen. Gewänder für die Stadtführer Weiter will der Verein im kommenden Jahr mit einem neuen, umfangreicheren Stadtführungsprogramm aufwarten. Es sollen verschiedene Themenführungen ausgearbeitet werden und es ist angedacht, spezielle historische Gewänder dafür anzuschaffen. Detaillierte Informationen über diese neuen touristischen Angebote sollen zu gegebener Zeit folgen. Auch alle anderen Standardangebote des Vereins wird es im neuen Jahr wieder geben. Dazu zählt die Teilnahme am „Internationalen Museumstag“ im Mai ebenso wie ein Angebot für Kinder im Rahmen des Ferienprogramms der Stadt, der „Tag des offenen Denkmals“ im September, das „Museumsgespräch“, literarische Veranstaltungen oder Sonderausstellungen im Wolfram-von-Eschenbach-Museum. Wenn dann noch Zeit und Elan übrig ist, wartet noch eine andere langwierige Arbeit auf die Mitglieder des 107-köpfigen Vereins: In den Räumen des Stadtarchivs soll mit der Zeit ein Museumsdepot entstehen. Dazu sind jede Menge Sortierarbeiten und Inventarisierungen nötig, die nach und nach erfolgen müssen, um dieses Projekt zu realisieren. 2010 möchte man ein Gutteil schaffen. Das Ende der „Stadtpfeyferey“ Die Unterabteilung des Heimatvereins hingegen, die sogenannte Stadtpfeyferey, trat in letzter Zeit immer seltener auf und hat 2009 ihre Aktivitäten ganz eingestellt. Es handelte sich dabei um eine Musizier- und Tanzgruppe für mittelalterliche Musik, die vor gut zwei Jahrzehnten von Robert Lehner, der auch den Chor des Gesangvereins Frohsinn 1860 leitet, ins Leben gerufen worden war. Der Heimatverein hatte etwa 40 mittelalterliche Instrumente von Flöte bis Drehleier nachbauen und ebenso viele historische Gewänder anfertigen lassen. Doch mit der Zeit sind immer mehr junge Akteure aus der Stadt weggezogen oder konnten sich aus anderen Gründen immer weniger engagieren. 2009 hatte es nun keinen einzigen Auftritt mehr gegeben und das Ensemble existiert im Moment eigentlich nicht mehr. Oskar Geidner berichtete, der Heimatverein habe das Konto der Gruppe bereits übernommen und die Instrumente und Gewänder sicher verwahrt. Eine Reaktivierung sei daher jederzeit möglich, allerdings brauche es dafür eine Person, diedas konsequent in dieHand nimmt. So jemand sei im Moment nicht in Sicht, hieß es. Geidner betonte, die „Stadtpfeyferey“ sei etwa zwanzig Jahre lang „eine tolle Sache“ gewesen. |